
Die Idee zu einer „Bauhütte“ entstand 2012 in einem Werkstattprozess unter bürgerschaftlicher Beteiligung im Rahmen des Programmes LSK – Lokales Kapital für soziale Zwecke. Anlass war die Baufeldentwicklung am Blumengroßmarkt, die das bestehende Quartier maßgeblich veränderte.
Die Bauhütte und der Umbau des Blumengroßmarkts
Als der Blumengroßmarkt der Akademie des Jüdischen Museums wich, sollte eine „Bauhütte“ die bürgerschaftliche Beteiligung an der damit einhergehenden Neugestaltung der anliegenden Baufelder sichern. In der Geschichte der Großkirchenbauten waren Bauhütten interdisziplinäre Kompetenzzentren in Kirchennähe. Sie ermöglichten nicht nur die erfolgreiche Fertigstellung der komplexen Projekte, sondern dienten auch der Archivierung von Wissen, der Nachwuchsausbildung und dem Einbezug der Nachbarschaften.
Die Bauhütte Kreuzberg überträgt die Idee eines lokalen Kompetenz- und Begegnungszentrums auf die Gegenwart der postmigrantischen Stadtgesellschaft und ihrer gemeinwohlorientierten Gestaltung: Sie versteht sich als Plattform für die Vernetzung und den Austausch der neuen und der alten Anwohner*innen, der Institutionen, des Gewerbes und der Politik im Sanierungsgebiet Südliche Friedrichstadt.
Vom Besselplatz in die Friedrichstraße
Ab 2015 dienten von der Bauhütte GbR verwaltete Container im Besselpark der Vernetzung alter und neuer Nachbarschaften.
Nach Abschluss der Bauarbeiten und durch den verstärkten Zuzug geflüchteter Menschen seit 2015 veränderten sich die lokalen Gegebenheiten, was zum Zusammenschluss der Bauhütte GbR mit Kreuzberg hilft e.V. zur Bauhütte Kreuzberg e.V. und einer entsprechenden Neuausrichtung des Projekts führte. Gefördert vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg befindet sich die Bauhütte seitdem in der Friedrichstraße 18/19.
Die Bauhütte heute
Inzwischen sind die Baufelder rund um die ehemalige Blumengroßmarkthalle fertig gestellt, und der „alten Kreuzberger Mischung“ von Produktion, Handwerk und Wohnen folgt eine „Neue Kreuzberger Mischung“. Die traditionell eher einkommensschwache und migrantisch geprägte Bevölkerung der Südlichen Friedrichstadt trifft auf neue, einkommensstarke Anwohner*innen, das angestammte Klein- und Sozialgewerbe auf neue Gewerbetreibende, insbesondere aus der Kreativ- und Tourismusindustrie. Als zivilgesellschaftliche Plattform sieht es die Bauhütte Kreuzberg als ihre Aufgabe an, die damit angestoßenen Veränderungsprozesse im Sinne der im Kiez lebenden Menschen mitzugestalten.

